Einer der Feiertage im Mai ist der “Kodomo-no-hi”, der Tag der Kinder. Man wünscht ihnen die Kraft der Karpfen, die gegen den Strom schwimmen und hängt deshalb diese Koi-Fahnen auf.


31.05.2026 - Doro und Olli

Im Mai haben wir uns schon langsam an den neuen Alltag gewöhnt. Doch es braucht alles auch Zeit und Geduld. Gleichzeitig lernen wir Immer mehr unsere Wochenenden bewusst zu planen, mit Zeit für Erlebnissen aber auch Erholung ohne Anforderungen. Die größte Neuigkeit: Unser erster Besuch in Deutschland steht an!


Im Kindergarten wurden Erdbeeren gepflanzt und jedes Kind durfte davon kosten.

Wochentage und Pause-Tage

Der neue Rhythmus von “Wochentagen” mit Schule, Kindergarten und Arbeit und “Pause Tagen” am Wochenende kommt im Mai immer mehr ins Laufen. Aaron ist sehr gern im Kindergarten, ihm fällt nur oft das Losgehen am Morgen daheim schwer. Aber er erzählt immer wieder von neuen Wörtern, die er jetzt gelernt hat und Sätzen, deren Bedeutung er jetzt versteht und die er selber auch sagen kann. Bei Yaël haben wir mit den Erzieherinnen überlegt, dass es - durch die Hitze - im Moment nicht so gut ist, dass sie noch nicht im Kindergarten trinkt. Bei Ausflügen werden die Trinkflaschen der Kinder zwar mitgenommen und auch beim Essen hat jedes Kind seinen Becher, doch Yael fühlt sich allein noch nicht sicher genug zu trinken und auf die Toilette zu gehen. Deshalb kam Doro den ganzen Mai jeden Tag zum Mittagessen dazu, um Yael dabei zu unterstützen und ihr mehr Sicherheit geben zu können. Das hatte sich zwischenzeitlich soweit entwickelt, dass sie dann auch aufgehört hat zu essen bis Doro da war, aber insgesamt haben wir gemerkt, dass es ihr eine große Portion Sicherheit gibt, wenn sie am Mittagessen nochmal kurze Mama-Unterstützung haben kann.

Lieblingsessen im Kindergarten: Reis!

Hatake no hi - Feld-Tag

An einem Montag war es sehr schwierig, den Übergang zu schaffen. An diesem Tag war nämlich ein Ausflug aufs Feld geplant und unser spätes Ankommen hat es für Yaël schwer gemacht, dann noch in Eile zu trinken und sich zu verabschieden. Ohne aber getrunken zu haben, war es nicht möglich, dass sie an dem warmen Tag zum Ausflug mitgeht… Nach viel hin und her Überlegen mit den Sensei, den Erzieherinnen, haben wir entschieden, dass ich mitkomme. Am Morgen hatte ich nur schnell ein Kleid und Ballerina angezogen und war nicht wirklich gut gekleidet für einen Vormittag auf dem Feld. Trotz etwas unpraktischer Kleidung, war es für mich gut dabei zu sein und Yaël die Sicherheit geben zu können. So konnte ich nämlich, ganz nebenbei, auch beobachten, was sie denn bei einem solchen „Feldausflug“ machen…

Auch wir haben die Setzlinge gut gegossen!

… mit Mama

Wir waren mit einer Bäuerin verabredet, die etwa 15 - 20min (Kinder-) Fußweg vom Kindergarten entfernt, ein Gemüsefeld bewirtschaftet. Für uns hatte sie zwei Reihen vorbereitet und mit Folie abgedeckt, in die die kleinen Süßkartoffel-Setzlinge eingepflanzt wurden. Damit die Setzlinge dann auch gut anwachsen, wurden sie gleich auch gut gegossen. Um schwere Gießkannen zu vermeiden und den Kindern trotzdem etwas in die Hand zu geben, hatten die Sensei kleine PET-Flaschen vorbereitet, die oben kurz vor dem Flaschenhals ein paar Löcher hatten. So konnten die Kinder das Wasser rausdrücken und gleichzeitig gut gießen, ohne zu viel Wasser zu verschütten oder sich nass zu machen. Nach getaner Arbeit traten wir dann den Rückweg an und zurück im Kindergarten war dann auch schon Zeit für Mittagessen und Mittagsschlaf.

In den folgenden Tagen fiel es Yaël immer leichter, doch auch wieder selber zu essen und beim Essen sogar manchmal etwas Wasser zu sich zu nehmen. Zwar mit dem Löffel und nicht direkt aus dem Becher, aber immerhin…

Die Zeit auskosten

Um die Zeit der Kinderbetreuung besser zu nutzen, kam ich auf die Idee, nicht mehr nach dem Abgeben direkt nach Hause zu fahren, sondern die Zeit bis zum Mittagessen in der Nähe zu blieben. Da ich den Wunsch hatte, unseren Blog wieder auf den neuesten Stand zu bringen, konnte ich die Stunden dort gut gebrauchen. Neben dem Schreiben konnte ich mir so auch Zeit nehmen zu reflektieren und zu merken, wie sehr uns die beiden Kindergartenplätze entlasten und wieder Raum und Möglichkeiten schaffen für mehr als nur “reines Überleben”.


Großes Schulkind

Von Samuel haben wir nicht mehr so viel erzählt, da für ihn die Schule schon richtig Alltag geworden ist. Er geht wirklich gerne hin, hat einige Freunde und lernt bei allem wirklich gut mit. Jeden Morgen machen sie einen gemeinsamen Beginn des Schultages, der immer von einem oder zwei Kinder „moderiert“ wird. Dabei weiß er wohl schon immer die richtigen Sätze zu sagen und was wann kommt. Es kommt ihm zugute, dass er schon immer ein guter Beobachter war und damit diese Abläufe schon von Anfang an genauestens studiert hat. Alle zwei Wochen machen sie einen Besuch in der schulinternen Bibliothek und er ist immer sehr glücklich Bücher von dort ausleihen zu können. Noch sind es keine wirklichen Geschichten-Bücher, aber sein Interesse lag auch da schon immer eher an den Sachbüchern. Seine Interessen spiegeln sich darin auch gut wieder: Er liebt die Bücher über die verschiedenen Züge, Baumaschinen oder Einsatzfahrzeuge aller Art. Ein Buch zeigt bspw. auf einer Doppelseite die entsprechenden Fahrzeuge und auf der nächsten die Perspektive des Fahrers. So kommt er zwar noch nicht richtig ins „Geschichten Lesen“, aber die kleinen Erklärtexte sind auch alle komplett auf Japanisch.

“Lesen” mögen alle drei gern!

Unbeliebte Hausaufgaben

Eine Herausforderung haben wir aber, wie vermutlich alle Eltern von Schulkindern: Hausaufgaben. Es ist einfach nach der Schule so schwierig, den richtigen Moment dafür zu finden. Am Anfang ist erst noch „Ankommen“ dran, Entspannen, Trinken, Snacken. Dann aber darin nicht zu verweilen, sondern sich wieder aufzuraffen, fällt ihm - verständlicherweise - sehr schwer… Wenn dann auch gleich wieder Zeit ist, dass Yaël und Aaron nach Hause kommen, dann ist es natürlich aber noch schwieriger sich konzentrieren. Zu den japanischen Hausaufgaben haben wir es uns auch zur Aufgabe gemacht, mit ihm die deutsche Sprache nicht zu vernachlässigen. Wir haben zwar Materialien, aber diese auch zu bearbeiten… dazu fehlt neben Kanji und Mathe einfach die Lust… Insgesamt können wir das gut verstehen, aber die Herausforderung bleibt, ihm da gut die Hilfe zu sein, die er braucht ohne den Familienfrieden zu sehr zu belasten.

Ein Ausflug ans Meer tut immer gut! Wenn man dieses Stückchen Erde dann noch Freunden aus Deutschland zeigen kann, umso schöner!


Entdecken vs. Entspannen

Auch für die Wochenenden merken wir, dass wir eine Mischung brauchen aus „Abenteuer Japan“ und einfach Zeit für die Kinder und uns, die Anforderungen der Woche hinter uns zu lassen und die Zeit gemeinsam zu genießen. Es ist so schön, ein Auto auszuleihen, mit dem Zug neue Ecken zu entdecken oder Besuch aus Deutschland unsere Lieblingsplätze zu zeigen. Die Zeit am Strand zu Spielen ist immer besonders, mit anderen Bahnen zu fahren macht Spaß und ist auch ein Teil unseres „Abenteuers“ hier in Japan. Auch neue Ecken in Tokyo gemeinsam zu entdecken, macht großen Spaß und erweitert auch unsere Karte. Doch dann merken wir auch immer wieder, dass so ein vollgepacktes Wochenende für uns meistens einen Tag zu wenig hat. Denn das, was fehlt, ist das frei sein und spielen können der Kinder, ohne dass wir an eine Rückfahrt denken müssen oder auch einfach Zeit, um zuhause gemeinsam Sachen zu erledigen. Wir merken, dass diese Zeit uns allen auch immer wieder gut tut und wir uns die „freien“ Wochenenden nicht zu sehr verplanen dürfen, damit wir diesen Freiraum nicht verlieren.

Ein Vorteil hier: Wenn wir zu lang in Tokyo sind, können wir den Rückweg abkürzen indem wir mit dem Shinkansen nach Yokohama fahren!


Vorfreude auf Deutschland

Eine Sache haben wir noch gemacht, die uns alle in große Vorfreude versetzt hat: Wir haben unseren ersten Flüge nach Deutschland gebucht! Lange haben wir mit uns gerungen, ob wir es schaffen, dass die Kinder dann so lange kein Japanisch mehr hören und sprechen, ob wir ihnen damit den Start nach dem Urlaub nicht unnötig schwer machen. Doch wir haben entschieden, dass wir diese Schwierigkeiten sehen und damit rechnen, aber dass uns allen die Zeit in Deutschland mehr gibt und wir lange davon zehren werden. Samuel hat gleich gesagt, was er als erstes tun mag, wenn wir ankommen: Sein Lieblingsschwimmbad am Starnberger See besuchen! Und genau dafür soll auch viel Zeit sein: Für Lieblingsaktivitäten, Freunde besuchen, Familie sehen, am Sonntag in die Kirche gehen und alles verstehen. Wir pokern natürlich ein bisschen, weil wir nie wissen, was wirklich kommt, aber wir hoffen, dass diese Zeit für uns alle gut in Erinnerung bleibt und wir dann mit vollen sozialen Akkus hier ankommen.

Mehr Infos zu wann wir wo sind, folgen in Kürze in unserem Newsletter. Melde Dich also gerne hier auf der Homepage dazu an!

Wie über diese Feuerwerk am Fuji freuen wir uns über unsere Zeit in Deutschland.

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April, April!