Vorfreude
Hier gibt es noch viele weitere Hortensien als die uns aus Deutschland bekannte. Diese hier haben wir “Feuerwerk-Hortensie” genannt…
30.06.2026 - Doro und Olli
Zwischen Regenzeit, Hortensienblüte, Taifunen und Erdbeben haben wir im Juni viele besondere Erfahrungen gesammelt, sind in unserem Alltag in Japan ein weiteres Stück angekommen und haben voller Vorfreude unsere Reise nach Deutschland geplant.
Nicht nur mit und unter Kirschblüten werden Fotos geschossen…
Regenzeit statt Vorsommer
Juni ist Regenzeit in Japan. Das hat unseren Alltag ziemlich beeinflusst, denn im Moment ist es noch nicht die Hitze, die das Leben hier ausmacht, sondern die hohe Luftfeuchtigkeit und das wechselhafte Wetter. Uns fällt auf, dass in Japan nicht nur die Kirschblüte zu Beginn des Frühlings einen großen Auftritt hat, sondern dass alle saisonalen Pflanzen zu ihrer Zeit besondere Aufmerksamkeit bekommen. Zur Regenzeit passt dazu die im Moment blühenden Hortensien. Ursprünglich kommt sie aus Japan und China und wenn man ihren Wasserdurst kennt, wundert man sich nicht, dass sie hier in den regenreichen Monaten so gut gedeiht und es ganze Gärten und Foto-Spots gibt, die ihre Blütezeit speziell bewerben. Am Gemüsefeld, das auf dem Weg zu Samuels Schule liegt, blühen die blauen und lilafarbigen Blüten in voller Pracht. So bringen sie an grauen und wolkenverhangenen Tagen einen Farbtupfer in den Alltag. Auch in den Kindergärten und der Schule waren die farbenfrohen „あじさい“ (Ajisai - Hortensie) Teil des Stundenplans: Samuels Klasse schrieb das Wort in Schönschrift und Aaron und Yaël bastelten ihre eigenen kleinen Blüten zur Dekoration.
Auch bei Ausflügen vom Kindergarten, werden die Blumen von den Kindern bestaunt. Mal nur im Vorbeigehen, mal im Detail betrachtet…
Taifuntage
Wie der Name schon sagt, hat der Regen einen großen Teil unseres Junis ausgemacht. Dazu kam auch der Beginn der Taifun-Saison. 台風、also, “Tai-fuu” bedeutet in den Schriftzeichen wörtlich “großer Wind”. Sie geht ungefähr bis Ende September, aber die ersten drei kamen schon jetzt im Juni. Man weiß im Vorfeld nie genau, wie stark sie aufs Festland treffen. Bis sie bei uns auf der Hauptinsel ankommen, haben sie meistens schon einiges an Stärke verloren. Okinawa und Kyushu im Süden Japans werden meist stärker getroffen. Der erste Taifun kam unter der Woche und schon in den Tagen davor wurden wir von Kindergarten und Schule darauf hingewiesen, in diesen Tagen besonders aufmerksam zu sein, die Nachrichten zu verfolgen und unnötige Aufenthalte im Freien in der Zeit zu unterlassen. In allen gängigen Wetter- und Warn-Apps wurden Vorhersagen zum Verlauf veröffentlicht und Warnhinweise ausgegeben. Am Tag selbst blieb die Schule geschlossen. Die Kindergärten wären zwar geöffnet gewesen, aber es wurde dringend darum gebeten, die eigene Sicherheit an erste Stelle zu setzen. Daraufhin haben wir entschieden, dass auch Aaron und Yaël daheim bleiben. Am Morgen haben alle die Berichterstattung im Fernsehen verfolgt, aber als es am Nachmittag aufklarte, waren wir froh, wieder rausgehen zu können. Wir konnten sehen, dass unser kleiner Fluss deutlich mehr Wasser führte als an normalen Tagen. Um richtig über die Ufer zu treten, hätten aber glücklicherweise noch einige Meter gefehlt.
Und die Erde bebt…
Neben dem Regen und den Taifunen haben uns im Juni einige stärkere Erdbeben überrascht. Mindestens drei davon haben wir stark gespürt. Einmal, Anfang Juni, saßen wir beim Abendessen und der Alarm kam einige Sekunden vor der Erschütterung auf unsere Handys. Es hat so gewackelt, dass unsere Deckenlampe langsam vor sich hin geschaukelt hat. Ein weiteres Beben kam vormittags als alle außer Haus waren. Samuel erzählte später, dass es zwar gewackelt habe, aber dass der Unterricht trotzdem ganz normal weiter lief. Das dritte Beben kam ein paar Tage später, spät am Abend. Olli war mitten in einem Videocall im Büro, Samuel hatte sich schon schlafen gelegt und plötzlich kam die Nachricht aufs Handy, dass ein starkes Beben erwartet würde. Nur Sekunden später wackelte es stärker als wir bisher je gespürt hatten. Uns, unserem Haus und in unserer Gegend ist nichts passiert. Allerdings waren wir ziemlich aufgewühlt und nicht sicher, ob uns gleich noch ein Nachbeben erwarten würde. Wir haben die Nachrichten angemacht und gehört, dass aber bei einigen Häusern näher am Epizentrum Teile der Fassade und Wasserleitungen zerstört wurden. Dass nichts Schlimmeres passiert ist, liegt an der Bauweise, die sehr gut an die Erdbeben angepasst ist und immer wieder neue und höhere Standards eingehalten werden müssen. Das nächtliche Beben war in der Präfektur Yamanashi, unsere Nachbarpräfektur. Von der Erdbebenstärke 5,6 am Epizentrum kam bei uns noch ein Beben mit etwa Stärke 4 an. Es hat uns daran erinnert, unsere eigenen Vorbereitungen für den Katastrophenfall weiter auszubauen.
Die Karte ließ sie nicht mehr aus der Hand…
お誕生日 - Geburstag im Dauerregen!
Die anderen Tage waren mehr oder weniger stark vom Regen und vor allem hoher Luftfeuchtigkeit geprägt. Yaëls Geburstag war in Deutschland immer in einer sonnig-warmen Periode, doch hier in Japan hatten wir genau das Gegenteil: Wolkenverhangen, grau und Regen den ganzen Tag. Da passte die Zeile aus dem Geburstagslied umso besser: „Heute kann es regnen, stürmen oder schnei’n“… Die Erzieherinnen hatten neben einem Geburstagslied im Kindergarten eine richtig schöne Karte gebastelt. Neben ihren Wünschen auf Japanisch haben sie „Alles Gute zum Geburstag“ auf Deutsch geschrieben und wollten unbedingt wissen, wie man es richtig ausspricht. Für sie war gar nicht so leicht, ohne sich einen Knoten in die Zunge zu machen. Wir waren froh, dass wir - um dem Regen zu entkommen - einen tollen Indoor „Spiel Park“ gefunden haben. Er war ganz dem Werk von Eric Carle und der Raupe Nimmersatt gewidmet. Ein Buch, das Yaël zuhause und im Kindergarten sehr liebt. Es gab tolle Kletter- und Versteckmöglichkeiten, einen Raum mit Verkleidungsmöglichkeiten, eine Lese-Ecke und einige kreative Projekte. In einem Raum waren alle möglichen Materialien zum Basteln und Malen bereitgestellt und obwohl wir das zuhause nicht so oft machen, sind alle drei in ihren Welten versunken und haben gemalt, geklebt und geschnitten. Wir waren glücklich, etwas gefunden zu haben, das allen drei Kindern viel Spaß gemacht hat. Das ist inzwischen gar nicht mehr ganz so einfach.
Vatertag bei Lifehouse
Ankommen in der Kirchenfamilie
Ein weiterer Meilenstein war, dass Doro im Juni noch Teil einer kleinen Connect-Gruppe bei Lifehouse Yokohama werden konnte. Es ist zwar nicht mehr viel Zeit bis zum Ende des Semesters, aber so kann ich Anschluss an eine feste Gruppe bekommen. Die Kinder gehen inzwischen wirklich gerne zum Kinderprogramm. An einem Sonntag war Samuel nicht fit und wir haben uns gefragt, ob die zwei anderen wohl auch daheim bleiben wollen? Doch weit gefehlt: Sie wollten unbedingt zu Lifehouse und ins Kinderprogramm! Was für ein Glück! Es ist schön zu sehen, dass sie sich in der Kirche wohl fühlen und selber Freunde finden. So können wir alle immer besser die Menschen kennenlernen, die Lifehouse Yokohama ausmachen. Ein Highlight war, dass alle, die wollten, gemeinsam das WM-Spiel Japan gegen Tunesien schauen konnten. In den vergangenen Wochen haben wir eine junge Deutsche immer besser kennengelernt. Bei ihr war nicht sicher, wie es mit dem Visum weitergeht und ob sie in Japan bleiben kann. Wir durften mit ihr beten, dass sich die Situation gut löst und es für sie klar wird, wie es weitergeht. Inzwischen hat sie einen Job bekommen, den sie brauchte, um bleiben zu können und wir konnten uns schon sehr mit ihr mitfreuen.
Japanischer Führerschein
Sie war es dann, die Doro bei einem der wichtigsten Termine der letzten Monate begleitet hat: die Ausstellung des japanischen Führerscheins. Wir wussten von anderen, dass der Termin sehr lang dauern kann und man doch einiges „Behörden-Japanisch“ verstehen sollte. Ich war sehr froh, dass ich sie als Hilfe dabei hatte, auch wenn der Redeanteil trotz der vielen Stunden nur klein war. Die meiste Zeit warteten wir, während hinter den Kulissen die Unterlagen bearbeitet wurden. Als ich immer wieder im Gespräch war, konnte ich zwar Einiges verstehen, aber in der Aufregung hat mir ein zweites Paar Ohren mit guten Sprachkenntnissen viel Sicherheit gegeben. Ich konnte es nicht ganz fassen, am Ende das Büro mit einem gültigen japanischen Führerschein zu verlassen, ohne weiteren Test und ohne Prüfung. Einen deutschen Führerschein zu haben, war hier ein großes Privileg. Olli hatte seinen Termin ein paar Tage später und wir sind froh, nun leichter Autos ausleihen zu können. Da werden Ausflüge oder größere Erledigungen nicht mehr so viel Planung im Voraus brauchen.
Viel Zeit habe ich in dem Büro nicht verbracht, eher davor… wartend.
Vorfreude auf Deutschland
Für eine wichtige Sache haben wir uns im Juni auch Zeit genommen: Unsere Reise nach Deutschland immer besser zu planen. Wir freuen uns schon sehr, Freunde und Familie wieder in die Arme nehmen zu können und gemeinsame Erinnerungen zu schaffen. Am Anfang sind wir mit dem Camper in und um München unterwegs. So haben wir auf Wunsch der Kinder ein bisschen Abenteuer – und Unterkunft und Auto gleichzeitig. Danach werden wir auch in Geislingen sein und von dort aus Ausflüge in die Umgebung machen können. Unsere letzten Wochen sind nochmal in München, wir können bei einer befreundeten Familie in „unserem“ Viertel unterkommen und freuen uns schon sehr, dort zu sein!
Die nächsten Tage werden wir einen kurzen Newsletter zu den geplanten Treffen verschicken. Meldet euch gerne dafür an oder meldet euch persönlich bei uns! Wir freuen uns schon so sehr!!