Außergewöhnlicher Alltag

Auf an den Flughafen, dieses Mal als Empfangskomitee!

28.02.2026 - Doro und Olli

Der Besuch guter Freunde war für uns alle Grund für große Freude und hat uns selber auch etwas Urlaubsfeeling gegeben. Danach kamen geballt Herausforderungen von Bürokratie, Visumsfragen und Anträgen, die wir in der Zeit erfolgreich zur Seite geschoben hatten.


Vorfreude

Unsere letzten Wochen waren vor allem von großer Vorfreude geprägt: Seit Ende Dezember wussten wir, dass gute Freunde aus München uns im Februar besuchen würden. Ihre beiden Kinder sind fast im gleichen Alter wie unsere Kleinen und weil wir früher im selben Haus gewohnt haben, ist über die Jahre eine enge Freundschaft entstanden. Für Aaron war die Aufregung so groß, dass er sogar einen Abreißkalender bekommen hat, um die Tage bis zur Ankunft in Japan herunterzuzählen.

Wir konnten uns sogar ein Auto ausleihen, um sie nach ihrem langen Flug vom Flughafen abzuholen. Am Vorabend hatten Yaël und Aaron mit Hilfe von Sammy und Doro große Willkommensplakate gebastelt, damit sie uns gleich entdecken würden. Und tatsächlich brauchten die Kinder nach der ersten Schüchternheit nur wenige Minuten, um wieder miteinander herumzualbern, als hätten sie sich erst gestern gesehen. Es hat uns unglaublich gutgetan, nach all den Monaten des „Neu-Seins“ Menschen um uns zu haben, die uns wirklich kennen, und ihnen gleichzeitig unser neues Leben hier in Japan zeigen zu dürfen.

Endlich wieder bekannte Gesichter zum Spielen

Urlaubsfeeling im Alltag

In den nächsten knapp zwei Wochen haben wir versucht, Alltag und Besuchszeit irgendwie miteinander zu verbinden. Für Samuel war es nicht immer leicht, in die Schule zu gehen, wenn er wusste, dass eigentlich gleich Besuch kommt. Zusätzlich machte es ihm nochmal mehr deutlich, wie sehr er auch seine „großen“ Freunde aus Deutschland vermisst. Das hat die Zeit auch emotional aufgeladen und wir durften mit ihm nochmal durch eine Welle des Vermissens gehen.

Gemeinsam haben wir auch für uns neue Stellen in Japan entdeckt

Einerseits haben wir für die Zeit nach der Schule immer wieder Ausflüge geplant wie ans Meer oder zum SkyTree nach Tokyo, andererseits haben wir gemeinsam auch Dinge erledigt und zum Laufen gebracht, die wir alleine bisher noch nicht geschafft hatten. So haben die drei großen Kinder mit Felix und mir zusammen eine Bank für den Garten gebaut, die unser Wohnzimmer besser mit dem „Draußen“ verbindet. Wir waren also gemeinsam Holz kaufen, fragten im Baumarkt nach „Sando paper“, um etwas schleifen zu können, haben uns für „Frauen- und anfängerfreundliche Lasur“ entschieden und peu a peu gesägt, lasiert und geschraubt. Alle waren sehr stolz und glücklich, die Bank gemeinsam „selber“ gebaut zu haben. Auch unsere bisher ungenutzte Kaffeemaschine wurde dank Felix und Katrin endlich einsatzfähig gemacht. Bisher hatten wir weder die Kapazitäten noch das Wissen, uns mit Mahlgrad und Brühzeit auseinanderzusetzen, aber die beiden haben sich die Mühe gemacht, uns dabei zu unterstützen, sodass wir nun auch zuhause frischen Espresso trinken können. In die Zeit ihres Besuchs fielen außerdem ein Feiertag unter der Woche und zwei Wochenenden, sodass wir auch größere Ausflüge machen konnten. Wir waren am Yamanaka-ko, einem See am Fuße des Fuji, und hatten dort bestes Sonnenwetter und freie Sicht auf den großen Berg, der sich vor allem in den Sommermonaten oft in den Wolken versteckt. Mit dem Auto konnten wir außerdem an einen Strand fahren, der mit den Zügen eher schlecht zu erreichen ist.

Gemeinsam einen neuen Teil der Welt erkunden

Freundschaft von Klein und Groß

Samuel, Aaron und Yaël hatten große Freude daran, alles, was sie hier schon „gelernt“ und erlebt hatten, an die beiden Mädchen weiterzugeben - vom Rolltreppefahren über Sushiessen im Restaurant bis hin zu den leckeren Obst-Smoothies aus dem Convenience Store. Für uns, Olli und Doro, war es außerdem eine große Erleichterung, für diese Zeit vertraute Erwachsene um uns zu haben, die die Kinder mit im Blick hatten und bei denen wir sie auch einmal lassen konnten. So konnten wir zum Beispiel Termine in Aarons Kindergarten wahrnehmen, ohne dass ständig Kinder um uns herumsprangen. Und an einem Tag hatte uns beide eine Erkältung erwischt, da haben sie ganz selbstverständlich alle drei Kids bei Regenwetter mit in den Indoor-Spielplatz und zum Essen genommen, damit wir uns ausruhen konnten. Der Abschied fiel dementsprechend schwer. Gleichzeitig wussten wir aber auch, dass wir es bis zum nächsten Wiedersehen gut schaffen würden. Unsere Freundschafts-Akkus waren auf jeden Fall wieder aufgeladen.

Wildes Schneetreiben, Schneeflocken mit der Zunge fangen… Das war hier im Winter nur an einem Wochenende möglich…

Geballte Ladung

Alles, was wir während des Besuchs an Bürokratie ausgeladen hatten, kam danach geballt zurück: Für Aarons Kindergarten brauchte Doro einen Nachweis über ihre Selbstständigkeit. Dafür mussten wir allerdings zuerst eine Änderung des Visums beantragen, also ging es eines Vormittags mit entsprechenden Wartezeiten zur Ausländerbehörde.

Außerdem war es wichtig, die Beantragung unseres japanischen Führerscheins voranzubringen. Dafür mussten wir persönlich beim Führerschein-Zentrum vorsprechen, um überhaupt erst einen weiteren Termin für die eigentliche Ausstellung zu bekommen. Dort haben wir die volle Ladung japanischer Bürokratie erlebt. Das ganze Prozedere war ziemlich kompliziert und hat uns einiges an Geduld und Nerven gekostet.

Kaba, Kaffee und was Süsses für beanspruchte Nerven und tapfere und geduldige Kinder nach dem Termin für den Termin

Bürokratie at its best

Für die Anmeldung gab es jeden Tag nur ein einstündiges Zeitfenster von 14 bis 15 Uhr. Beim ersten Versuch waren wir bereits gegen 12 Uhr dort, doch Olli musste schließlich unverrichteter Dinge wieder nach Hause, damit Samuel nach der Schule nicht zu lange alleine bleibt. Doro blieb mit Aaron und Yaël vor Ort, um stundenlang zu warten, nur um kurz nach 14 Uhr unsere Namen auf eine Liste setzen zu dürfen. Erst nachdem alle Wartenden registriert waren, konnte Doro gegen 15 Uhr vorsprechen und den “eigentlichen” Termin für Ende Juni vereinbaren. Da ich alleine dort war, konnte ich allerdings keinen Termin für Olli mit ausmachen.

Am nächsten Tag kam Olli eigentlich vor dem Ende der Registrierungs-Zeit an, konnte aber erst wenige Minuten nach 15 Uhr mit einem Mitarbeiter sprechen und wurde direkt wieder abgewiesen. Die Anmeldezeit sei vorbei. Erst im dritten Anlauf am Tag darauf hat es dann schließlich auch für ihn geklappt einen Termin zu reservieren. Jetzt können wir die Zeit bis zu den Terminen nutzen, um alle Unterlagen zusammenzusuchen, die für die Ausstellung des japanischen Führerscheins nötig sind.

Exkurs: Öffentliche Toiletten

Links die Drücker für die elektrische Schiebetür, dann das große Waschbecken und die Toilette, natürlich mit Bidetfunktion und gewärmter Klobrille.

Auf dem Weg mit Zug und Bus nach Hause war ich wieder eimal froh um die so gut ausgestatteten öffentlichen Toiletten. Hier ein Beispiel für einen “multi-purpose room”. Es gibt alles, was man braucht und das in einem meist wirklich großzügigen Raum. Natürlich gibt es nicht immer alles, was man hier in den Bildern sieht. Aber oft gibt es sogar in Einkaufszentren extra Familien-Bereiche oder in den “Erwachsenentoiletten” Bereiche für Kinder. Auf den Frauentoiletten haben wir schon immer wieder Kinder-Pissoirs entdeckt, für die man sich dann auch nicht in die normale “Klo-Schlange” einreihen muss. Das ist in “dringenden Fällen” durchaus sehr sehr hilfreich und hat uns schon einige Extra-Wäsche erspart!

Hier noch zu sehen: einen Sitz für Kleinkinder, ein Waschbecken, dessen Sinn wir noch nicht verstanden haben und dann: einen eigenen Bereich für Kleinkinder: Kinderklo, Kinder-Pissoir und Kinder-Waschbecken. Zusätzlich noch einen klappbaren Wickeltisch.

Immer weniger Extraaufgaben

Solche Aufgaben, die außerhalb unserer täglichen Routine liegen, kosten uns unglaublich viel Zeit, Geduld und Energie. Manchmal überfordert uns der Aufwand, besonders in Kombination mit der Sprachbarriere und der Tatsache, dass viele Informationen für uns nicht leicht zugänglich sind. Denn auch wenn Olli gut Japanisch spricht, muss er für solche nicht alltäglichen Gespräche in Ämtern, im Kindergarten oder in der Schule immer wieder neue Vokabeln und Formulierungen recherchieren und sich gezielt vorbereiten.

Schließlich werden viele der großen organisatorischen Themen, die uns seit unserer Ankunft begleitet haben, weniger. Führerschein, Visum, Nachweise und Anträge sind inzwischen zumindest angestoßen oder bereits erledigt. Dadurch entsteht nach und nach nicht nur mehr Ruhe im Alltag, sondern auch ein gewisse Ruhe im Verstand und eine Dankbarkeit im Herzen. Wir merken, wie gut es uns tut, nicht ständig das Gefühl zu haben, noch irgendetwas liefern oder erledigen zu müssen. Je weniger Extra-Aufgaben auf ihre Erledigung warten, desto leichter können wir wieder aufatmen. Wir merken, dass dadurch unser Alltag leichter wird und wir mit jedem erledigten To-Do ein wenig mehr aufatmen können.

Um hierher zu kommen, brauchten wir kein Auto. Nach Odawara fährt sogar ein Shinkansen und bringt uns super schnell dorthin und wieder nach Hause.

Zurück
Zurück

Frühlingsduft und Neubeginn

Weiter
Weiter

Freude und Ruhe