Freude und Ruhe
Die ersten Frühlingsboten blühen auf. Die allerersten sind die Pflaumen…
31.01.2026 - Doro und Olli
Mit dem Schulalltag und den dazugehörigen neuen Routinen kommen wir Schritt für Schritt in Japan an, auch wenn viele Situationen weiterhin ungewohnt sind und immer wieder Missverständnisse entstehen. Gleichzeitig fordert uns die große Veränderung noch heraus. Darin dürfen wir wieder neu lernen, unsere Kraft und Freude bei Gott zu suchen und ihm auf unserem Weg zu vertrauen.
Noch auf dem Weg
Ist es schon so weit? Können wir davon sprechen, angekommen zu sein? Durch die Schule haben wir schon einiges an Struktur und Rhythmus, aber viele Dinge sind doch immer noch neu und ungewohnt. Manchmal kommen wir uns vor, wie wenn wir „schon wieder“ etwas nicht verstanden haben und unsere unabsichtlichen Fehler und Missgeschicke den anderen unnötige Arbeit und Erklärungen abverlangen.
Morgens klingelt unser Wecker, schnell zum Frühstück und dann ab in die Schule. Meistens mag Samuel alleine gehen, doch manchmal dürfen wir ihn doch begleiten und wir haben noch ein paar Momente auf dem Weg mit ihm. Meine Erwartung war, dass der Winter hier auch so dunkel und trüb ist wie in Deutschland, dass die Sonne erst spät aufgeht und früh wieder unter. Wir hatten extra nochmal neue Reflektoren für den Adventskalender gekauft, damit wir alles für eine gute Sichtbarkeit machen.
Auf den letzten Metern zur Schule. Samuel ist gut an den leuchtend grünen Reflektoren zu ekennen.
Wirklich Winter mit Sonne?
Doch dann das: Der Winter ist hier ganz anders: Kühl, aber oft mit strahlender Sonne, oft schon am Morgen! Die Sonne geht selbst im Winter kurz vor sieben Uhr auf. Da wir so weit südlich liegen, wird es dann schnell sehr hell. Und durch die trockene Luft und wenig Niederschlag ist es oft wolkenlos sonnig.
Der Weg zur Schule und wieder zurück tut auch uns gut, in den Tag zu starten. Meistens schlafen die Kleinen noch oder sind gerade am Aufwachen. Da ist es praktisch, dass Ollis Job ihm die Freiheit gibt, zu dieser Zeit daheim zu sein. Entweder kann er mitgehen zur Schule oder er hält die Stellung zuhause. Auch wenn Doro ihren ersten kleinen Japanisch-Kurs in der Deutschen Schule hat, kann Olli nach ihnen schauen und sie hat die Möglichkeit erste „strukturierte“ Schritte in die Sprache zu machen.
Nicht nur bei einer Vorführung der örtlichen Feuerwehr gab es Sonne pur…
… aber trotzdem kalt!
Die zwei Kleinen genießen es, am Vormittag lang spielen zu können und nicht raus in die Kälte zu müssen. Die Sonne wärmt zwar schön, aber da die Häuser hier nicht so gut isoliert sind, ist die Außentemperatur fast identisch mit der Innentemperatur. Noch mehr als in Deutschland versuchen wir, nur dort zu heizen wo wir sind und ermutigen die Kinder zusammen im Wohnzimmer zu spielen, damit wir nur einen Raum heizen müssen. Es gibt hier keine Zentralheizungen, wir heizen also entweder mit der Klimaanlage oder mit einer kleinen mobilen Gasheizung. Im Bad haben wir für beides keinen Platz, deswegen haben wir dort einen kleinen Heizlüfter, der dort für schnelle Wärme sorgt, wenn sie gebraucht wird. Zum Glück kann man bei den Heizungen einen Timer einstellen, sodass das Wohnzimmer und Bad morgens schon etwas gewärmt ist, wenn wir zum Frühstück runterkommen. Oft wärmen sich die Kinder dann ihre Kleidung dort vor und sind fast nicht von der Heizung wegzubewegen, weil es dort schön warm ist.
Wir hatten wohl ein wenig Wasser in einem Eimer draußen vergessen. Da wurde es über Nacht mit Grashalmen zu einem temporären Eis-Kunstwerk.
Meilenstein Mittagessen
Das Mittagessen bekommt Samuel inzwischen in der Schule. Wir haben es geschafft, alle Formulare richtig auszufüllen und müssen ihm nun morgens nicht immer noch ein eigenes Bento mitgeben. Bento ist mehr als nur eine Brotzeit, es bezeichnet eine komplette Mahlzeit zum Mitnehmen, sei es für Schulkinder oder Angestellte. Traditionell beinhaltet es immer verschiedene kleine Portionen, darunter natürlich Reis, eine Protein-Beilage und Gemüse, eingelegt oder frisch. Viele betreiben eine richtige Kunst daraus, diese nicht nur gut einzupacken, sondern sie auch hübsch anzurichten. Die Auswahl an „Küchen-Werkzeug“ dafür in den Läden ist unglaublich groß: Da gibt es Ausstecher für Gemüse, extra Förmchen für Reis und ganze Blogs, die einem Inspiration für ein schönes Essen geben können.
Brotzeit oder Vesper gibt es in der Schule nicht. Aber wir genießen es, dass wir einen guten Bäcker für Brezeln und Brot bei uns in der Nähe gefunden haben!
Kommt die Seele mit?
Mit all der neuen, alltäglichen Struktur aus Schule, Haushalt, Einkaufen, Arbeit werden nach und nach auch wieder Ressourcen frei, um über unser „Hier Sein“ nachzudenken. Dabei ist auch immer wieder eine Frage, wie wir uns hier in die japanische Kirche investieren können. Vor einer Woche war Vision Sunday und dieses neue Jahr steht unter dem Motto aus Nehemia: „Die Freude am Herrn ist unsere Stärke.” Das hat uns wirklich herausgefordert, da wir im Moment gar nicht mehr so viel Freude in uns übrig hatten. Die Monate seit klar war, dass wir umziehen werden, liefen auf der Überholspur und in der Schnelligkeit ging uns die Freude nach und nach verloren. Sie war nie ganz weg, aber einfach überlagert. Durch die vielen Aufgaben und Fristen, hatte unsere Seele keine Chance mitzukommen. Denn nach dem einen erledigten To-Do standen bereits unzählige in der Schlange, um von uns erledigt zu werden. Dazu kommt, dass wir natürlich auch unsere Kinder in all der Veränderung, Unsicherheit und ihren eigenen Gefühlen von Vermissen und Einsamkeit begleiten durften. Alles, was ihnen bisher sicher war, fehlte ihnen plötzlich.
Sonntags waren wir manchmal trotz der langen Fahrt noch in Tokyo. Glücklicherweise konnten wir es nun mit Übernachtungsbesuch bei neuen Freunden verknüpfen und mussten nicht gleich an den Rückweg denken.
Herausforderndes Jahresmotto
Dann zu hören, dass „Die Freude am Herrn” unsere Stärke sein soll, das fiel uns in dem Moment wirklich schwer. Wir haben aber nicht aufgehört, dranzubleiben und mit dieser Aussage und der Geschichte, aus der sie stammt, zu ringen und unsere Situation auch darin zu sehen. Ohne Gott wären wir schon längst aufgerieben, ausgebrannt und komplett ohne Freude. Es war ein wichtiger, großer Zaunpfahl uns zu erinnern, wo unsere Freude und Kraft ihren Ursprung hat und haben darf. Wo wir uns anlehnen, trauern und klagen können in schweren Zeiten und wo wir neue Kraft schöpfen und Perspektive bekommen.
Denn ja, unsere Stärke kommt durch unsere „Freude am Herrn“, auch weil wir an ihm festhalten und vertrauen, dass er unseren Weg kennt, er uns liebt und wir mit ihm gemeinsam herausfinden dürfen, warum genau wir jetzt eigentlich hier sind. Welche Menschen wir mit seinem Wesen bekannt machen dürfen und wie wir damit seine Liebe in die Welt bringen dürfen, nach Japan aber auch nach Deutschland.