Advent, Weihnachten, Jahresende.

Ein Weihnachtsmarkt in Tokyo. Der hatte ganz eindeutig deutschen Einfluss…

31.12.2025 - Doro und Olli

Hier kommt die Zusammenfassung

Die Advents- und Weihnachtszeit in Japan hat sich für uns ganz anders angefühlt als in Deutschland. Das liegt zum einen an den wärmeren Temperaturen von noch 15 bis 20 Grad im November sowie zwischen 10 und 15 Grad im Dezember und dem zumeist blauen Himmel und strahlendem Sonnenschein. Zum anderen wird man im Alltag nicht wirklich an Weihnachten erinnert, so wie wir es gewohnt sind. Zwar findet man hier an mehreren Stellen aufgestellte Deko-Weihnachtsbäume oder leuchtende Lichter, Rentiere und Winterlandschaften, auch die Geschäfte schmücken sich mit „Merry Christmas“. Sogar Weihnachtsmärkte gibt es nicht wenige. Vorbild sind wohl die deutschen Weihnachtsmärkte und -traditionen. Doch die Umsetzung ist dann meist doch anders. Man spürt schnell, dass Weihnachten in Japan keine tiefere Bedeutung hat.

“Herbstlaub”, strahlende Sonne und noch milde Temperaturen. Das macht Japans November und Dezember aus.

Die Welt dreht sich weiter

Aus Deutschland waren wir es auch gewohnt,, dass um die Tage an Weihnachten für ein paar Tage „die Welt stehen bleibt“. Hier in Japan dreht sie sich ganz normal weiter. Wir haben das dieses Jahr daran gemerkt, dass Samuel am 24. vormittags noch Schule hatte und zum Beispiel bspw. auch die Geschäfte, Restaurants und Kindergärten ganz normal geöffnet hatten. Für die Japaner ist Weihnachten ein Fest hauptsächlich für Paare und Freunde. Man geht gemeinsam aus, trifft sich für Dates und Verabredungen auf dem Weihnachtsmarkt oder schaut sich die vielen bunten Lichtinstallationen an. Als typisches Weihnachtsessen holt man eimerweise frittiertes Hähnchen von KFC (Kentucky Fried Chicken), wo sonst! Und als Süßspeise den berühmt berüchtigten Christmas Cake, was sonst! Dabei  wählt man am besten den Klassiker: Sahnetorte mit frischen Erdbeeren, die an Weihnachten ihre Hauptsaison haben, wann sonst! Es fühlt sich an wie Valentinstag mit Santa-Mütze.

Den “Christmas Cake” haben wir uns nicht entgehen lassen. Wir haben es nicht geschafft, die Kinder davon abzubringen, am zweiten Weihnachtsfeiertag ihre Sport-Sachen anzuziehen. Aber, wenn Erdbeeren im Dezember gehen, warum nicht auch Trikots…

Deutsche Traditionen

Der “Weihnachtsmarkt” in Center Kita, unter anderem mit dabei ein großer Stand der Deutschen Schule, mehrere Autohäuser und kleinere Kultur-Angebote aus Tokyo und Yokohama

Anfang Dezember haben wir den deutschen Weihnachtsmarkt in unserer Nachbarschaft besucht. Dieser fand auf einem großen Bahnhofsvorplatz statt, wo viele weiße Zelte aufgestellt waren in denen deutsches Bier, Brezeln und Würstchen verkauft wurden. Die deutschen Autohäuser aus der Gegend hatten ihre Wagen ausgestellt und auf der Bühne wurden verschiedene japanische und englische Weihnachtslieder gesungen, dazu getanzt und Glöckchen geläutet. In der Mitte gab es viele Bänke und Tische, um sich mit Freunden und Familie zusammen zu setzen. Wir hatten uns mit einem Klassenkameraden und Freund von Sammy verabredet und über die Zeit kamen immer wieder noch weitere Klassenkameraden mit ihren Eltern hinzu. Die Jungs hatten trotz ihrer Sprachbarriere viel Spaß und rannten wild über den Platz, wir Großen hatten die Chance andere Väter und Mütter aus Sammys Klasse kennenzulernen. Olli war sehr glücklich über die teils sehr offenen und tiefen Gespräche, auch wenn danach sein Kopf ziemlich rauchte nach dem vielen Japanisch. Doro konnte sowohl mit Händen und Füßen, den paar Grundkenntnissen Japanisch und den paar Brocken Englisch der anderen Mamas doch auch ein paar Gespräche führen. Auch wenn die Weihnachtsmarkt-Stimmung erst am Ende aufleuchtete, als es dunkel wurde und nur noch die Stände beleuchtet waren, war es für uns schön. Weniger wegen des „Gefühls“, aber wegen der Leute, die wir getroffen und kennenlernen durften.

“Perspektivwechsel” im Weihnachtsgottesdienst

Krippenspiel und Pokémon

Weil der 24. Dezember kein Feiertag ist, finden in Japan eigentlich keine Gottesdienste statt. In unserer Kirche war „Weihnachten“ deshalb schon an den zwei Sonntagen davor. Aber Heilig Abend ganz ohne Gottesdienst konnten wir uns nicht vorstellen, weshalb wir extra zum ökumenischen Krippenspiel in der evangelischen Gemeinde in Tokyo gefahren sind. Die Kirche war voll bis auf den letzten Platz, eine kleine deutsche Insel in der japanischen Großstadt. Aaron merkte während des Gottesdienstes an: „Mama, die versteh ich ja alle!“ Es war einerseits schön und hat uns doch etwas verwundert, so viel Deutsch auf einmal zu hören. Am Ende kamen wir mit dem Pfarrer vor Ort ins Gespräch und wurden von ihm gleich angefragt, ob wir nicht Lust hätten, bei dem Aufbau regelmäßiger Treffen für die jungen Familien in der Region Yokohama mit dabei zu sein. Mal sehen, was sich daraus entwickelt und ob wir dafür zum einen die Ressourcen finden und zum anderen ein Ja dafür haben.

Pokémon und Weihnachten, eine Kombination, die hier nicht ungewöhnlich ist.

Ansonsten hatten wir in der Weihnachtszeit auch geplant einen größeren Weihnachtsmarkt im Zentrum von Yokohama zu besuchen. Einen kleineren, außerhalb des Hauptgelände liegenden Weihnachtsmarkt haben wir uns auch angeschaut, nur sind wir dann zum eigentlichen nicht rein gegangen. Der hätte zum einen Eintritt gekostet, aber vor allem war er heillos überfüllt. Das wollten wir uns und den Kindern nicht zumuten. Direkt nebenan gab es aber noch eine große Freiluft-Weihnachtsausstellung von Nintendo: „Pokémon Happy Holiday“. Dort konnten wir ohne großes Gedränge die verschiedenen ausgestellten Pokémon ansehen und haben sogar weihnachtliche Pokémon-Postkarten geschenkt bekommen. Eine ganz witzige Mischung, die es so in der Form wohl nur in Japan zu bestaunen gibt.

Winter-Weihnachts-Illuminations in Roppongi, einem “Stadtteil” von Tokyo.

Von Hiragana über Katakana zu Kanji

Seit dem 25. Dezember sind nun auch an der japanischen Schule Ferien. Das nutzen wir auch, um unser Schulkind Sammy weiter darin zu unterstützen, seine japanischen Schriftkenntnisse zu verbessern. Im Blog-Beitrag im Oktober hatten wir erwähnt, dass Sammy angefangen hat die Silbenschrift Hiragana zu erlernen. Die 46 Zeichen beherrscht er mittlerweile ziemlich gut! Er korrigiert uns manchmal schon, wenn wir die Strichreihenfolgen nicht einhalten oder die Striche falsch setzen. Nur leider hört es nach den Hiragana mit dem Schreibenlernen im Japanischen nicht auf. Mittlerweile hat er auch die 46 Katakana-Zeichen gelernt, die er zum Teil schon sehr gut beherrscht. Es handelt sich dabei zwar um die gleichen Silben, aber um eine andere Schreibweise - vereinfacht gesagt für ausländische Wörter.

In Japan wird Super Mario geliebt, selbst Sammys Kanji Heft aus der Schule ist so verspielt. In Deutschland wäre es undenkbar, dass einen Playmobil-Leselernheft in den Klassen verwendet wird.

Um mit seinen Mitschülern mitzuhalten, die bereits angefangen haben das letzte und weitaus größte Schriftsystem der Kanji zu lernen, ist Sammy nun auch schon dabei die ersten Kanji zu lernen. Im ersten Schuljahr lernt man davon ca. 80 von den insgesamt 2.136. Bei den 2.136 Kanji handelt es sich um die offiziell empfohlenen Schriftzeichen (Jōyō-Kanji), die es in der Schulzeit zu erlernen gilt, um die allermeisten Texte lesen zu können. Es beginnt mit den Zeichen für die Zahlen eins bis zehn, aber dann kommen bald auch schon weitaus bildlichere dazu. „Mori“ für Wald und „Kawa“ für Fluss mag Sammy ganz gerne. Vielleicht auch, weil seine Lehrerin Morikawa-sensei ist…

Die ersten Kanji: Das Buch geht von hinten nach vorne, von rechts nach links. Deshalb in dieser Reihenfolge: Baum, groß, klein.

Jahresabschluss

Mit dieser ganz anderen Weihnachtszeit geht unser 2025 nun vorbei. Wir sind froh, ein bisschen durchatmen zu können und eine Pause zu haben von Arbeit und Schule. Auch wenn wir Familie und Freunde und unser gewohntes Umfeld und unsere Routinen vermissen. Dieses Jahr war ziemlich verrückt, am Anfang des Jahres wussten wir nicht einmal, dass wir jetzt hier in Japan sein würden. Seit wir im Juni überraschend schnell die Zusage für unser Visum erhalten haben, sind wir bis zum Jahresende gefühlt fast ausnahmslos mit voll durchgedrückten Gaspedal durch die Zeit gerast. Da hat sich in wenigen Monaten so viel getan. Wir brauchen vermutlich noch etwas Zeit, um alles zu verarbeiten und wirklich „hier“ anzukommen.

So sitzen wir hier zu zweit im Wohnzimmer am Silvesterabend, stoßen gemeinsam an, schreiben diese Zeilen - sind müde, aber auch glücklich und dankbar, für das was hinter uns liegt und sind gespannt, was 2026 kommt.

Mit diesem Weihnachts-Foto verabschieden wir uns von diesem Jahr und von euch. Wir sehen uns in 2026!

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Erste Alltags-Anker